Kontinent-Ozean
Vor rund 250 Millionen Jahren lag im Gebiet des heutigen Parc Ela ein flaches, tropisches Meer. Auf seinem Grund haben sich Sande, Kalke, Muscheln abgelagert. Daraus sind mit der Zeit die – geologisch gesehen – jungen Alpen und somit die Berge des Parc Ela.
Hinweise auf den Ozean im Surses
Im Surses findet man Hinweise, dass vor rund 160 Millionen Jahren der Kontinent Pangäa zerbrach und ein tiefer Ozean entstand, genannt Thetys. Er trennt den europäischen vom afrikanischen Kontinent. Der Ozeanboden der europäischen Kruste besteht aus grünen Gesteinen wie Gabbro und Basalt – sie bilden das Penninikum. Ein Mittelozeanischer Rücken bildet die „Naht“ zwischen dem europäischen und afrikanischen Kontinent. Im flachen Teil der Thetys auf dem afrikanischen Kontinent lagerten sich Kalke und Dolomite des Ostalpin ab. Vor rund 100 Millionen Jahren begannen die beiden Kontinente gegeneinander zu driften – der Anfang der Alpenfaltung. Mit der Zeit schoben sich die ursprünglich nebeneinander abgelagerten Gesteinsschichten und der Meeresboden als Falten und Decken übereinander. Genauer: Die ostalpinen Decken vom afrikanischen Kontinent schoben sich über die penninischen Decken auf dem europäischen Kontinent.
Instabile Gesteinsschichtungen im Albulatal
Der tiefstgelegene Teil des Parc Ela liegt im weichen, bröckeligen Bündnerschiefer (Penninikum). Die Albula hat in die Schieferschichten die eindrückliche Schinschlucht gegraben. Bei Tiefencastel grenzen die West- und Ostalpen aneinander. Die Westalpen (Penninikum) gehören zur europäischen Platte, die Ostalpen zur afrikanischen. Die Grenze – auch alpine Querfurche genannt – lässt sich vom Bodensee über Sargans, Chur, Lenzerheide, Oberhalbstein bis zum Septimerpass verfolgen. Entlang der Furche bestehen komplizierte und teilweise instabile Gesteinsschichtungen. Sie führen an manchen Orten zu Rutschungen und Steinschlag (z.B. Crappa Naira und Felsabbruch oberhalb Brienz).
Nachschub für die Kieswerke
Folgt man der alpinen Querfurche, gelangt man ins Surses. Bis Mulegns prägt Bündner Schiefer das Tal. Er bildet die sanft geneigten Talhänge, auf denen die Dörfer liegen. Die Hänge sind stark rutschgefährdet, da der Schiefer weich ist und bei viel Wasser ins Rutschen gerät. Gut zu beobachten ist das im steilen Bachtobel des Adont zwischen Parsonz und Salouf: Der Bach trägt das ständig nachrutschende Material ins Tal und häuft dort einen grossen Schuttfächer auf. Er drängt die Julia nach Osten ab und liefert dem Kieswerk dauernd Nachschub.
Besonders spannend zwischen Septimer und Julier
Spannend wird es im Gebiet zwischen Piz d’Err, Piz Platta, Septimer-, Lunghin- und Julierpass. Geologen haben hier den Prozess der Alpenentstehung eingehend erforscht und viel über die Alpenfaltung entdeckt. Oberhalb von Mulegns kann man gut beobachten, wie die ostalpinen Decken auf den penninischen liegen. Hoch ragen die scharfen, granitischen Gipfelzacken des Err-Massivs (Ostalpin) empor. Darunter liegen die weicheren Formen der penninischen Plattadecke. Sie besteht aus Gesteinen der Tiefsee und untermeerischen Vulkanen: Grünschiefer, dunkle Serpentine, Liasschiefer, rote Radiolariten. Die grünen und roten Gesteine verleihen den Felswänden ein eigenartig geflecktes Aussehen. In den Osthängen des Surses zwischen Piz Colm, Falotta, Alp Flix, Val da Natons bis Bögia an der Julierstrasse kann die Gesteinsvielfalt bestaunt werden.
Der Namensgeber des Parc Ela, der Piz Ela, ist eine grossartige Falte der ostalpinen Ela-Decke. Weitere berühmte Vertreter dieser hellen Bergüner Dolomitberge sind der Piz Mitgel und das Corn da Tinizong (Tinzenhorn). Auf der anderen Talseite, also östlich der Albula, finden die Bergünerstöcke ihre geologische Fortsetzung in der Bergkette vom Piz Muot zum Piz Blaisun. Auch hier bildet der Dolomit den zerhackten Gipfelgrat.
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Auf der Parc Ela-Wanderung zu Fuss vom Kontinent in den Ozean schlüpfen Sie in die Haut eines Erkundungsreisenden und entdecken Spuren der Vergangenheit auf der Bergwanderung vom Julier-Hospiz über die Fuorcla digl Leget nach Bivio.