Medienmitteilung 25. Februar 2026
«Ein bisschen weniger aufräumen wäre schonmal ein Anfang»
Sichtbar machen, was übersehen wird
Was wolltest du bei deiner Forschungsarbeit herausfinden?
Ganz ehrlich: Wir wollten endlich sichtbar machen, was da alles rumfliegt, krabbelt und oft komplett übersehen wird.
Gerade bei Wildbienen oder Käfern gibt es noch erstaunlich viele Wissenslücken. Dabei sind es genau diese Gruppen, die unsere Ökosysteme am Laufen halten. Uns hat interessiert, welche Arten im Parc Ela vorkommen, wie spezialisiert sie sind – und wo wir genauer hinschauen müssen.
Wie sieht diese Forschungsarbeit konkret aus?
Am Anfang steht viel Büroarbeit: Projektbericht schreiben, Abklärungen treffen, Fangbewilligungen einholen und Fundraising machen. Ohne das läuft gar nichts.
Dann kommt der schönere Teil: draussen sein, Wildbienen beobachten und auch mal fangen. Das geht zum Glück nur bei schönem Wetter – und man ist an unglaublich schönen Orten im Parc unterwegs.
Und dann der Teil, den man kaum sieht: stundenlanges Bestimmen unter dem Binokular, triagieren, vergleichen und immer wieder zweifeln. Manchmal hilft nur, eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Tag nochmals hinzuschauen. Ich bin nicht gerade mit Geduld gesegnet – und ja, das kann auch frustrierend sein.
Am Schluss sitzt man wieder am Computer und macht Auswertungen, die ebenfalls ihre Zeit brauchen. Bis aus all den Beobachtungen langsam ein klares Bild entsteht. Und genau das macht es dann irgendwie trotzdem schön.
Der Parc Ela als Glücksfall
Wie unterscheidet sich das untersuchte Gebiet von anderen Lebensräumen in der Schweiz?
Der Parc Ela ist in vieler Hinsicht ein Glücksfall.
Offene Flächen, Weiden, Wiesen, hoch gelegene Standorte, Waldränder, Wald und Siedlungen – das Ganze ist wie ein richtiges Mosaik. Auf relativ kleinem Raum entsteht so eine enorme Vielfalt an Lebensräumen. Genau diese Mischung macht es spannend, weil dadurch Arten zusammenkommen, die man sonst selten im gleichen Gebiet findet.
Und gleichzeitig merkt man auch hier: Gute Lebensräume sind keine Selbstverständlichkeit mehr.
Was passiert nun mit den Daten?
Die verschwinden zum Glück nicht in einer Schublade.
Sie fliessen in nationale Datenbanken ein und stehen damit auch anderen zur Verfügung. Für uns im Parc Ela sind sie aber vor allem eine Arbeitsgrundlage: Wo können wir konkret etwas verbessern? Welche Flächen sind besonders wertvoll? Wo gibt es Lücken?
Und ganz wichtig: Wir können in ein paar Jahren wieder hinschauen – und sehen, ob sich etwas verändert hat.
Mehr Unordnung zulassen
Was können wir tun, um der Artenvielfalt zu helfen?
Weniger aufräumen wäre schon mal ein Anfang.
Viele Arten brauchen Strukturen, Unordnung, Übergänge. Dinge, die wir gerne «aufräumen». Ein bisschen mehr stehen lassen, mehr Blüten zulassen, weniger perfekt sein – das hilft oft mehr, als man denkt.
Und im grösseren Kontext geht es darum, diese Lebensräume überhaupt zu erhalten. Denn wenn sie einmal weg sind, kommen viele Arten nicht einfach zurück.
📚 Die Forschungsarbeiten sind im Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden erschienen: Lenz, Stöckli, Huber: Insektenvielfalt auf Trockenwiesen und -weiden im Parc Ela, S. 75–84. Huber, Szallies, Lenz: Holzkäfervielfalt im Parc Ela, S. 67–74. Der Jahresbericht ist am Empfang des Bündner Naturmuseums für CHF 20.– erhältlich.